Sonntag, 17. September 2017

Nachdem wir in Antsirabe kurzzeitig die Luft der Zivilisation geschnuppert haben, machten wir uns schon am nächsten Tag auf nach Ranomafana. Das ist ein kleiner Ort am Rande eines riesigen Nationalparks - ganz idyllisch gelegen, direkt im Tal, umrandet von Bergregenwald und an einem leise dahin schlaengelnden Fluss. In der Regenzeit ist der kleine Fluss dann allerdings ein reißender Strom...
Die Tour dorthin dauerte über fünf Stunden und war extrem anstrengend, aber wir konnten wieder viel vom Land sehen. Alles spielt sich an der Straße ab. Sobald es hell wird, fangen alle an irgendwas zu machen: manche arbeiten auf den unzähligen als Terrassen angelegten Feldern, manche waschen Wäsche im Fluss und breiten die gewaschenen Sachen auf den grünen Flächen nahe dem Wasser aus, manche transportieren irgendwas auf eigenartigen Wagen die steilen Straßen hoch, die Frauen sitzen am Straßenrand und machen sich die Haare und manche hängen einfach nur herum und warten, dass die Zeit vergeht. Es wird nie langweilig, dem Treiben zu folgen. 
Unterwegs hielten wir an, um auf einem Markt zu fotografieren. Wir kamen uns vor, als wären wir in Lateinamerika - die Menschen waren total bunt angezogen und trugen diese bunten Hüte und bunte Tücher, die sie über die Schultern geschlagen hatten. Krass.
Irgendwie ist es sowieso komisch - vielleicht ist das auch der Grund, warum bei mir einfach der Funke nicht so richtig überspringen will: Madagaskar ist nicht Afrika, nicht Asien und eben auch nicht Arabien. Von allem ist ein bisschen vorhanden und je nachdem, wo man gerade ist, ist einer der drei Teile dominant. Manchmal sehen die Menschen aus, wie in Indonesien. Ein Paar Kilometer weiter sehen sie aus, wie klassische Afrikaner. Wenn sie sprechen, hört es sich manchmal an, als würden sie arabisch sprechen oder indisch...
Wir haben in einem Dorf angehalten, in dem noch so richtig traditionell Spaten oder Schippen hergestellt werden. Einer bedient einen aus Bambus gefertigten Blasebalg und drei weitere schmieden das Eisen. Wie im Mittelalter... Ein paar Kilometer weiter führen wir an einer selbstgebauten "Destillerie" vorbei... Auf dem Rückweg wollen wir dort Mal anhalten und kosten 😁... ist aber bestimmt tödlich...
In einem Ort habe ich einen Jungen mit einem Fussball spielen sehen - spontan habe ich ihm die Fussballteppen von Sonnenscheinchens Sohn geschenkt. Man hat der sich gefreut! Hauptsache bringen die anderen Jungs ihn dafür nicht um...
Der Nationalpark Ranomafana ist ganz nach Svens Geschmack: Lemuren, Lemuren, Lemuren... Ich glaube, wir haben bisher insgesamt 12 verschiedene Spezies gesehen, worüber sich Sascha & Sven riesig freuen. Heute waren es der kleinste Bambus-Lemur, der größte Bambus-Lemur und der goldene Bambus-Lemur. Und dann noch andere, was weiß ich für welche...😉. Weil es fünf Stunden bergauf und bergab ging, war ich total fertig und froh darüber, wenn Sven irgendwas zum fotografieren fand. Da könnte ich zwischendurch ausruhen...
Ansonsten geht es uns gut. Sven ist zwar immer noch angeschlagen, aber es handelt sich anscheinend nicht um die Lungenpest, die hier vor kurzem ausgebrochen ist... Mensch Lisel, wer immer du auch bist, Danke für die Information. Nur leider haben wir keine Antibiotika dabei. Wenn es uns erwischt, tja dann gehen wir wohl auch der Reihe nach vor Madagaskar über Bord...😎. Immer noch besser, als in Luckenwalde vom Bus überfahren zu werden...
So. Wir werden jetzt eine Runde Romme spielen und die harmonische Stimmung zerstören. Sven schummelt immer noch und wenn ich ausnahmsweise Mal mit drei Königen auslege, oder drei Achten...fliegen mir Sascha Karten um die Ohren und er spielt nicht mehr mit 👿.
In diesem Sinne - schöne Grüße aus Madagaskar, eure Steffi

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